Nuestra señora La Paz

08.10.2026 bis 10.10.2026 und 19.10.2026 bis 22.10.2026 | Höchste Verwaltungshauptstadt der Welt auf 3.650 bis 4.000 m

La Paz ist eine unglaublich faszinierende Stadt, die von sehr freundlichen und offenen Menschen bewohnt wird. Graffitis, bunte Kleidung und Modernität prägen das Stadtbild. Am Anfang streunten wir durch bekannte Stadtviertel, wie dem Plaza San Francisco, Calle Jaen, Sopocachi und Plaza Murillo, der den Großteil der wichtigen Regierungssitze beherbergt.

Ohne Ski in die Gondel 🤿

Wohl am bekanntesten ist La Paz für die Gondeln bzw. Teleferícos, die als öffentlicher Nahverkehr verschiedene Stadtviertel verbinden und eine unglaubliche Aussicht über die Stadt bieten. Dabei wirkt die Stadt riesig, wohl weil man über den ‘Kessel’ fliegend beinahe die ganze Stadt sieht, welche zu unserer Verwunderung ‘nur’ ca. 750.000 Einwohner*innen hat; die Metropolregion knapp über 2 Mio.

Der Plan, La Paz mit Gondeln öffentlich zu erschließen, lag schon seit den 1970ern in der Schublade. Die ersten “Mi Teleferíco” Linien wurden 2014 eröffnet, damit Menschen aus El Alto wieder in die Arbeit konnten, da der Weg vom höher gelegenen El Alto nach La Paz immer verstopft war. Den Auftrag für die Errichtung der Gondeln bekam die österreichische Firma Doppelmayr.

Cholets aka ‘Science-Fiction’ Architektur

Wer durch die Straßen der direkt angrenzenden Stadt El Alto rollt, dem stechen auch schnell die Cholets (Chalet + Cholita = Cholet) ins Auge. Cholets sind ein Gebäudetypus, der vom bolivianischen Architekten Freddy Mamani geprägt wurde. Er zeichnet sich durch futuristische Sci-Fi Fassaden aus, die Formen und Farben der andinen Kultur, vor allem des Aymari Volkes repräsentieren. Die Architektur soll auch als Gegenpol zur modernen westlichen und kolonialen Architektur dienen.

Die Architektur drückt damit unter anderem auch das in den 2000ern erstarkte Selbstbewusstsein der indigenen Bevölkerung aus, welches auch mit der Präsidentschaft von Evo Morales, dem ersten indigenen Präsidenten Boliviens einhergeht.

Ösis, Frittatensuppe & viele bunte Märkte

Nach gemütlichem Ausruhen und durch die Stadt spazieren, gingen wir einen Abend auch in das österreichisches Restaurant “Vienna”, welches von einem Weizer (Steiermark ;-)) namens Paul Stach geführt wird und seit den frühen 2000er Jahren in La Paz besteht. Dort genossen wir österreichische Hausmannskost (wie eine Frittstensuppe und Schweinsstelze), um ein wenig Heimatgefühl in unseren Mägen zu spüren.

Auch in der Outdoor-Szene sind uns immer wieder österreichische Spuren untergekommen – z. B. der Pico Austria (ein Berg ca. 50 km von La Paz entfernt) oder ein Equipment-Verleihstore mit österr. Betreiber. 🥾

Ansonsten verbrachten wir ruhige Tage in La Paz, mit Ausnahme einer stressigen Taxifahrt, weil wir zum falschen Busterminal spaziert sind, wo wir den Nachtbus nach Rurrenabaque in den Amazonas nehmen wollten. Ein Taxifahrer kannte den richtigen Weg. Schlussendlich hatte der Bus dann eh zwei Stunden Verspätung.

Nach der Rückkehr von Rurre bereiteten wir uns auf die Radtour durch Bolivien vor. Wäscherei, Organisatorisches am Fahrrad und Gepäck, Essensbesorgungen und auch einen Nachmittag im Café ließen die Zeit bis zur Abfahrt schnell vergehen. Die bunten Märkte und vielseitigen Möglichkeiten, sich handgefertigte Accessoires schneidern zu lassen, wie eine Hülle für die aus dem Amazonas mitgebrachte Machete und Hosenverlängerungen, zählen auf jeden Fall auch zu unseren Highlights der Stadt.

La selva, la pampa y unos locos

11.10.2026 bis 18.10.2026 | Vorstellung, Realität und wie sie sich näher kamen aka kleines Survival-Camp

Tag 0. Lange Nachtbusfahrt nach Rurrenabaque, auch Rurre genannt. Renato, unser “Amazonasguide” empfing uns bereits am Busbahnhof. Nach einer kurzen Tuktukfahrt (hier oft ‘Moto’ genannt) lud er uns zu sich nach Hause ein, um die Planung unserer Tour zu finalisieren: 5 Tage hinein in den Dschungel und den gleichen Weg wieder hinaus oder einen Rundweg von ca. 8 Tagen. Nach einer langen Diskussion zwischen uns Vier (Lea, Kati, André, Max) kamen wir zum Entschluss, dass wir möglicherweise nur einmal im Leben in den Amazonas wandern und entschieden uns für 8 Tage Rundweg. Gut, Mangos aus Renato’s Garten aufgegessen; nächster Tag Abfahrt um 05:00 Früh Richtung Fluss Muije, der in die Selva (Dschungel) führt.

Tag 1. Langer Marsch entlang des Flussbetts in den Regenwald. Der erste Tag startete mit einer einstündigen Autofahrt in den tieferen Teil des Regenwaldes.

Dabei lernten wir auch Rodrigo, unseren “Ayudante” bzw. Helfer kennen, der auch etwa in unserem Alter war. Jeder von uns bekam eine Machete in die Hand gedrückt – als Werkzeug und im Notfall zur Verteidigung, wie uns Renato zu verstehen gab.

Renato lernte sein Wissen über den Amazonas von den indigenen Völkern, die u.a. im Regenwald leben, seinem Vater und seinem Großvater. Nach etwa einer Stunde Gehweg gab es das ausgiebigste Frühstück, das es die nächsten 8 Tage geben würde – wussten wir zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Guacamole mit frischem Brot, gebacken von Rodrigos Mama, Kokosnuss, Mango und frisch gehackten Zuckerrohr. Dann ging’s viele Kilometer entlang des Flussbetts weiter. In Gummistiefeln überquerten wir unzählige Male das Flussbett. Auf unserem Weg entdeckten wir (eig. Renato & Rodrigo) eine Açai-Palme; Renato fragte uns gleich ob wir sie fällen wollten. Und so kam es, dass wir lernten, dass auch mit in einer Machete dicke Stämme gefällt werden können. Rodrigo ließ hierbei seine unglaubliche Schnellkraft zum Einsatz kommen. Damit hatten wir zu unseren bereits sehr schweren Rucksäcken (Essen, Ausrüstung etc.) noch einmal ca. 3-5 Kilo Açai mit im Gepäck. Am späten Nachmittag sind wir an dem Ort angekommem, der unser erstes Camp werden sollte. Mit großen Blättern wurde eine Unterlage ausgelegt und mit einer Folie bedeckt, auf der wir danach unsere Innenzelte aufstellten und Renato & Rodrigo ihre Matten & Moskitonetze platzierten. Ein Holzgerüst aus Ästen und dünnen Baumstämmen haben wir genutzt, um uns ein Dach aus Plastikfolie einzurichten. In unserer ‘Küche’ haben wir die Beeren gleich zu einem püreeartigen Saft verarbeitet. Renato stellte auch seine Kochkünste aus der Selva gleich unter Beweis und hat uns sehr gutes Abendessen gekocht.

Die Nacht brach bald herein und jeder war froh, sich ausruhen zu können.

Tag 2. Harte Wandertour & erste Blasen an den Füssen. Der Tag begann köstlich mit einem von Renato benannten “pan de la selva”. Ein Rezept, welches Brot mit Mehl, Wasser, Käse, Milch, Zucker und viel Öl zu einem kalorienreichen Frühstück werden lässt.

Mit dem Dschungelbrot im Magen gings weiter in der Selva, die nun immer dichter, feuchter und mystischer wurde. Renato zeigte uns die kräftigsten und giftigsten Ameisen der Selva, Bäume, deren Milch und Harz als Desinfekt genutzt werden, wie man Zuckerrohr richtig erntet und welche Bäume Wasser zum Trinken in ihren Stämmen führen (es gibt mehrere davon). Wir probierten Früchte, die nicht einmal den nationalen Markt Boliviens erreichen, sondern nur im Amazonas geerntet und genascht werden.

Am selben Nachmittag wurde Max von einem “Burro” (spanisch für “Esel”) durch die Hose ins Schienbein gebissen – einer relativ großen und kräftigen Raupe (deshalb der Name). Rodrigo erstach die Raupe sofort mit seiner Machete. Mit einem starken Brennen am Bein gingen wir mit dem “Burro” zu Renato, der die Raupe inspizierte und mit einem feinen Messer das Gegengift aus der Raupe holte und auf das Scheinbein schmierte. Viele kleine rote Punkte zierten das Bein noch Tage später. Nach einem langen Tag bauten wir unser Camp inmitten des Waldes auf. Nach einem kurzen Plausch mit Rodrigo und einem guten Essen mit Açai-Saft & Tee waren alle bald eingeschlafen. Bis auf Renato, dieser hatte, wie er sagte, immer nur einen ganz leichten Schlaf in der Selva.

Tag 3. Hart aber friedlich. Der Käse für das “Pan de la Selva” war mittlerweile aus, deshalb gab es eine andere Art Brot zum Frühstück, sehr ähnlich dem ungarischen Lángos. Dazu tranken wir den Saft aus Früchten, die wir noch aus der Selva hatten. Es ging wieder stundenlang mit den Gummistiefeln durch das Gebüsch. Das zehrte an unseren Kräften, so gab’s doch ein kleines Müsli zu Mittag. Aber erstmal nicht jammern, immerhin hatte Rodrigo den schwersten Rucksack. An diesem Tag lernten wir uns eine Angel aus Balsaholz zu bauen. Mit dieser gingen wir auf Fischsuche mit Larven als Köder, die Ameisen in den Bambus-/oder Maisstamm legen. Diese Bambusarten wiesen kleine Kot- oder Lochspuren auf, womit wir erkennen konnten, welche Bambusse Larven enthielten. Somit fingen wir auch gleich Fisch für unser Abendessen.

Dieses Mal haben wir das Camp an einem schönen Sandbett am Flussufer aufgebaut. Dort säuberten wir die Fische, entschuppten sie und nahmen sie aus. Nach dem Essen am Abend erklärte uns Renato das Ritual der ‘Pachamama’, welches jeden Dienstag und Freitag abgehalten wird, um sich für die Ressourcen & Natur zu bedanken. Bei diesem Ritual werden Cocablätter, Bicarbonato, Stevia (zuckerhaltige Pflanze) und Alkohol in dieser Reihenfolge in eine kleine Grube gelegt. Dann wird eine Zigarette angezündet und in die Erde gesteckt und man wünscht Pachamama 🌎 (Mutter Erde) etwas Positives. Den Vorgang wiederholt jeder in der Runde. In diesem Ritual geht es zudem auch um das Hoja sagrada, das heilige Cocablatt.

Tag 4. Kleine Konflikte am besten gleich lösen. An diesen Tag standen wieder einige Kilometer durch das Dickicht bevor. Dabei wird man sehr oft von Ameisen oder irgendwelche Insekten gestochen und gebissen, die durch die Luft schwirren oder auf Bäumen und Ästen krabbeln – was mit den Tagen aufreibend und ermüdend wurde. An diesem Tag fanden wir leider auch keine Fische bzw. zu wenige, um uns alle zu ernähren.

Auf den Energiereserven nagend suchten und ernteten wir dann noch einen bestimmten Baum, dessen Baumfleisch an der Spitze essbar ist und Renato gerne zu einem sehr leckeren Salat macht.

An diesem Tag gab es auch noch ein paar weitere Vorkommnisse, die in der Gesamtsituation zu einem kleinen Konflikt mit unserem Guide Renato führten. Den Konflikt konnten wir nach einem Gespräch zum Glück lösen; letzten Endes hat uns die Offenheit als Crew vielleicht sogar näher zusammengebracht. An diesem Abend gab es noch Reis und Linsen zu essen & bei einem Nachtspaziergang entdeckten wir einen Alligator, einen Mantarochen und Rehe, die von Rodrigo und Renato liebevoll ‘bambi’ genannt werden.

Tag 5. Pachamama schenkt uns viele Fische. Dieser Tag fühlte sich wie eine kleine Erlösung an. Beim weiteren Wandern wieder mehr entlang des Flussbettes anstatt durch das Dickicht, tauchten plötzlich kleine Lacken mit großen Mengen an Fischen auf, die durch die Trockenheit in ihren kleinen Tümpeln feststeckten; und die Konkurrenz nach Nahrung war groß. Wir fingen um die 12 Fische. Genügend für eine leckere Fischsuppe und Pasta mit Fisch am Abend. Unser Camp am Fluss war auch wieder sehr malerisch. Die Stimmung lockerte sich auf und alle waren unglaublich entspannt und glücklich.

Tag 6. Mit dem Boot zurück nach Rurre und die Entscheidung, die zwei letzten Tage in der Pampas zu verbringen. Diesen Morgen verbrachten wir nach dem Frühstück mit künstlerischen Verausgabungen im Sand.

Nach einer weiteren Wanderung bis um 3 am Nachmittag machte Renato uns ein paar Vorschläge, wie wir die letzten zwei Tage alternativ verbringen könnten. Anstatt ein Floss selbst zu bauen, mit welchem wir nach Rurre zurückgefahren wären, entschieden wir uns für eine zweitägige Tour am (fahrbereiten) Boot durch die Pampas; das Verlangen nach Entspannung war groß, und auch Renato hatte uns dieses Bedürfnis von den Lippen gelesen. Mit einem Boot, das Renato vor 6 Tagen bestellt hatte (da es keinen Empfang in der Selva gab), fuhren wir anstatt zu einem guten Holzbauplätzchen zurück nach Rurre und bereiteten uns auf zwei Tage Pampas vor.

Tag 7. Ein entspannter Tag mit dem Boot in die Pampas. Bei einer mehrstündigen Bootsfahrt durch die Pampas sehen wir Affen, hunderte Alligatoren, Capybaras, rosa Delfine, Schildkröten, Paradiesvögel und vieles mehr.

Die Nacht verbrachten wir entspannt in einer kleinen Lodge mit soviel gutem Essen wie lange nicht. Renato kannte uns mittlerweile.

Tag 8. Bootsfahrt & Bus zurück. Mit dem Boot fuhren wir zurück zum Eingang des Nationalparks und dann gings mit dem Auto zurück nach Rurre.

Den Abend verbrachten wir gemeinsam mit Lea und André im Nachtbus nach La Paz.

Zu Fuß

Zusammenfassend muss man sagen: Obwohl uns die Erfahrung in der Selva (fast) bis an unsere Grenzen brachte, würden wir diese Erfahrung niemals missen wollen, vor allem nicht mit diesen tollen Menschen an unserer Seite. Tausend Dank an Renato und Rodrigo, sowie auch Lea und André.

Carreteras, ferris y teleféricos

26.09.2026 bis 07.10.2026 | von Cusco, Peru, über den Titicacasee nach La Paz, Bolivien

Tag 1. Von Cusco bis Urcos. Wir starten an einem Samstag, um aus Cusco hinaus ein bisschen ruhigeren Verkehr zu haben. Aus Cusco führte uns ein kilometerlanger, schöner Radhighway zwischen den Autostreifen. Um die Carretera (Autobahn) zu meiden, hatten wir danach auch Umwege und einen selbstverschuldeten hike-a-bike am Programm (mangelhafte Planung).

Tag 2. Früher Start in Urcos. Ein neuerlicher Versuch, die Autobahn zu vermeiden, brachte uns wieder in den Genuss, viel zu lange für 5 km entlang sehr steiniger Wege an den Zuggleisen zu fahren/heben/schieben. Die nächste Gelegenheit auf die Autostraße war fix. Dabei trafen wir Harper aus Australien wieder, den wir bereits in Cusco kennengelernt haben. Er war auch mit dem Fahrrad Richtung Puno unterwegs, allerdings auf dem direkten Weg über die Autostraße. Wir haben uns noch ein Mittagessen geteilt und nach etwa 50 km trennten sich unsere Wege wieder. So haben wir uns entschieden, wieder abseits der Carretera eine Route zu fahren – diesmal vielversprechend(er) an vier Seen und kleinen Dörfern entlang. Am Abend kamen wir bei unserer sehr idyllischen Unterkunft am Lago Ponacanchi an und genossen unsere klassischen Thunfisch-Limon-Nudeln am See.

Tag 3. Rosa Flamingos an wunderschöner Seenlandschaft. Wir hatten einen tollen Start durch freundliche Dörfer entlang der ersten beiden Seen, versuchten, den rosa Flamingos etwas näher zu kommen und waren für die asphaltierten Straßen (nicht selbstverständlich) sehr dankbar.

Der letzte Abschnitt war von dunklen Wolken bedeckt – eine besondere Atmosphäre, wenn sie nicht gerade bedrohlich sind. Nach ca. 90 km erreichten wir Layo, ein leicht chaotisches Dorf am See, in dem wir eine Hospedaje fanden. Es stellte sich raus, dass diese nachts als geheime Bar für Einheimische dient, entsprechend roch es extrem nach Alkohol uÄ. Anyway, nachdem für den nächsten Tag ein Gewitter angekündigt war und nochmal ein Anstieg auf 4.500 m bevorstand, wollten wir sowieso früh los. Also bald Gute Nacht.

Tag 4. Der frühe Esel. Um 5 Uhr läutete der Wecker; wir machten uns auf den Weg nach draußen, wo es bereits regnete und sehr dichter Hochnebel mit dem Boden verschmolz. Ein kurzes Frühstück und eine Diskussion, ob wir nicht doch morgen fahren sollten, endeten um 6 Uhr mit der Entscheidung, zu starten und umzukehren, falls es bis 8 Uhr nicht besser wird.

Im Flow des Pedalierens angekommen war Stehenbleiben kein Thema mehr, auch nicht als es weiter oben zu schneien begann. Gegen 9 Uhr riss der Himmel auch ein wenig auf und wir gaben richtig Gas. Viel früher als erwartet erreichten wir den höchsten Punkt des heutigen Tages auf ca. 4.500 m und wurden wiedermal mit einer sehr spektakulären Abfahrt belohnt: Die Andengräser leuchteten Neongelbgrün in der Sonne und die Wolken zerzausten sich. Es war psychedelisch ohne die dazu nötigen Substanzen.

Im nächsten Dorf angekommen gönnten wir uns ein Mittagessen, beantworteten die Fragen ein paar neugieriger Anwohner*innen und düsten weiter Richtung Ayaviri, wo sich unsere heutige Bleibe im Castello zwischen Gänsen und Lamas befand.

Tag 5. Weniger See, mehr Straße. Von Ayaviri Richtung Lampas ging es entlang der Carretera Longitudinal del Sur. Ausserdem gab es an diesem Tag für Max sein ersten Cuy (Meerschweinchen) zu essen.

In Lampas fanden wir eine kleine Hospedaje. Der Besitzer gab uns bei Nacht noch eine kleine Tour durch den Ort.

Tag 6. Auf nach Puno am Ticitacasee. Die Hotelreservierung direkt am Hauptplatz Puno’s lag noch 90 km und 600 HM vor uns, mit der Aussicht auf das nette Zimmer ließ sich dieses Ziel gut erreichen. Das letzte Stückerl allerdings war eine harter Kampf zwischen LKWs und Autos, da wir leider keine Schulter auf auf der Carrertera hatten, welche bergauf nach Puno führte. Als wir nach Puno und zum Titicacasee hinuntersahen war die Freude dafür umso schöner und größer.

Tag 7 OFF. Sachen machen in Puno. Entdeckung des Tages: Der Turm der Kathedrale, den man für 10 Soles (2,30 €) besteigen kann, war oben nicht durch ein Geländer geschützt. Boliven@s vertrauen auf Selbstverantwortung; wir sitzen lieber.

Tag 8. 120 selbstgebaute Inseln aus Schilf. Von Puno sind wir an diesem Tag sehr gemütlich gestartet, da wir noch einen Ausflug zu den Bewohner*innen der Uros Inseln machten; eine Lebensart, die es voraussichtlich nicht mehr lange geben wird. Die Einwohner*innen der Uros Inseln (Strohinseln) leben mit ihren Familien jeweils auf selbstgebauten bzw. künstlichen, schwimmenden Inseln auf dem Titicacasee, die sie selber aus dem Schilf vom See bauen und erhalten.

Nach Puno kamen wir nachmittags zurück und schafften es so noch bis zu einem Camp-Spot an einem Strand bei Titilaca am Titicacasee. Wir überredeten ein benachbartes Hotel, uns am nächsten Morgen Frühstück zu machen. Gemeinsam mit einer Schmusekatze im Vorzelt verlief die Nacht kühl und ruhig.

Tag 9. Auf ein letztes, Peru. Unsere Vorfreude auf La Paz nahm stetig zu, die Kraft unserer Beine stetig ab. Aber die Vorfreude auf den Grenzübergang nach Bolivien forcierte die letzten Reserven, sodass wir an diesem Tag bis zur Grenzstadt Yungayo ca. 110 km strampelten.

🇧🇴 BOLIVIEN 🇧🇴

Tag 10. Erste Ländergrenze mit dem Rad überquert. Der Grenzübergang war fast so schnell wie im Schengen-Raum, allerdings durften wir uns über einen weiteren Stempel in unserem Pass freuen. In Copacabana tranken wir einen kurzen Café mit schlechter Milch und trafen Lea und André aus der Schweiz, mit denen wir noch viele gemeinsame Momente teilen werden. Sie sind auch mit dem Fahrrad unterwegs, allerdings schon länger und weiter. Weiter gings über eine superschöne Route mit Blick auf die bolivianischen Alpen nach San Pedro, wo später auch Lea und André eintrafen.

Tag 11. Gemeinsam geht’s weiter. Sehr gut erholt von den besten Betten seit langem starteten wir heute gemeinsam mit Lea und André unseren Tag mit einer Fähre über den Titicacasee auf “traditionelle” Art. La Paz war nicht mehr weit.

Ein Zwischenstopp in Batallas war allerdings noch notwendig, haben wir uns doch eine ziemlich lange Mittagspause mit Picknick am See gegönnt. Im Alojamiento hatten wir eine skeptische Dueña, die immer wieder durch das Fenster ins Zimmer spickte. Dabei haben wir ja nur am Boden Gemüse für die Wraps geschnitten, den Benzinkocher packten wir eh nicht aus.

Tag 12. Von Batallas nach La Paz ☮️

Es waren noch ca. 50 km nach La Paz. Das Ankommen in El Alto war verkehrstechnisch dicht und etwas chaotisch, aber eine der eindrucksvollsten Einfahrten in eine Stadt, die wir bisher hatten. Vor allem die Telefericos (Doppelmayr 😉 mit CWS Construction), mit denen wir in die Stadt einflogen, waren unglaublich eindrucksvoll und zeigten das enorme Ausmaß der Stadt La Paz auf 3.500 bis 4.000 m über dem Meeresspiegel.

Nach 12 Tagen fast durchgehend am Sattel freuten wir uns sehr, unsere Hintern für ein paar Tage entlasten zu können.

Cusco y Machu Picchu

21.09.2026 bis 25.09.2026 | Amaru und Pachamama

In Cusco haben wir im Hostel Chelito’s Backpacker übernachtet, was sich als Bike Packer Hotspot herausstellte. Den ersten Abend verbrachten wir mit den anderen Radreisenden aus Frankreich, Belgien, Australien, Deutschland, Kanada und USA bei ein paar gemeinsamen Cuzqueñas (das beste Bier in Peru – glauben wir) und Ananaskuchen. So manch einer war auch schon seit drei Jahren um die ganze Welt mit dem Fahrrad unterwegs.

In Cusco haben wir uns entspannt, Kaffee und viele Fruchtsäfte konsumiert, bisschen geshoppt, aber nur leichte kleine Sachen wegen Gewicht am Fahrrad und so. Die Reste der Inka-Architektur bzw. die Fundamente auf denen die Spanier gebaut hatten waren auch beeindruckend. Und wir haben Kleidung gewaschen – das war bitter nötig. Ansonsten haben wir die Atmosphäre der Stadt genossen.

Machu Picchu

Von Cusco aus haben wir eine Busfahrt nach Hidroelectrico genommen, von dort aus kommt man nach einem 10 km Spaziergang nach Aguas Calientes, dem Ort, von dem aus Machu Picchu besucht werden kann. Die Busfahrt geht durch das heilige Tal und war alles andere als angenehm, sodass Kati schon ein Speibsackerl parat hatte.

Fotos und Texte können Machu Picchu unserer Meinung nach nicht beschreiben oder auch nur ansatzweise zeigen. Deshalb sollte jeder, der die Möglichkeit hat, Machu Picchu besuchen. Die Inkas bzw. deren Ruinen haben etwas sehr mystisches und auch spirituelles hinterlassen. Sie haben versucht Pachamama (Erde) zu verstehen und zu ehren.

Ein Künstler, den wir trafen – Maestro und Schamane aus Peru – hat uns eine Geschichte der Inka erzählt. Amaru, wie viele Menschen und Dinge in Peru heißen, bedeutet ‘Blitz’ in der Sprache der Inka (Quechua). Der Blitz kommt vom Himmel und trifft Mutter Erde. Dann kommt der Regen und gibt uns Wasser, womit die Samen befruchtet werden. So entsteht neues Leben und wir können davon leben. Der Blitz bedeutet Leben.

Für die Inka war die Klarheit des Wassers so schön, dass die Kanäle in Machu Picchu zum Teil mehr ästhetische als funktionale Bedeutung hatten.

Estación Lima II.

19.09.2026 bis 20.09.2026 | Vom Zentrum über die Distrikte Santa Beatriz und Lince nach La Victoria

Am Abend in Lima angekommen, mussten wir noch vom Busbahnhof mit unseren Rädern durch den Betondschungel zu unserem Hostal, was einfacher war als gedacht. Die Umgebung im District Lima war sehr belebt, dadurch war die Fahrt im Dunkeln auch ganz okay. Unser Zimmer war klein, für eine Nacht aber kein Problem.

Am nächsten Tag konnten mit einer ca. 1-stündigen Fahrradfahrt durch Lima Richtung Busbahnhof die Stadt nochmals bisschen besser kennenlernen. Am Anfang mussten wir noch durch hektischen Verkehr, danach machte die Fahrt richtig Spass, als uns unerwartet schöne und baulich getrennte Radwege beinahe bis an unser Ziel führten – fast wie am Wiener Ring-Radweg.

Am Bahnhof half Max noch den Beladern die Fahrräder zu verstauen, um Beschädigungen zu vermeiden, da vieles einfach in den Gepäckraum geschmissen wird. Im Bus war alles sehr relaxt und die knapp 24-stündige Fahrt in dem Luxusliner von Cruz del Sur mit gmiadlichen Halbbetten verlief sehr entspannt.

La Tortura y la Felizidad

17.09.2026 bis 19.09.2026 | Suerte Amig@s

Von Oyón ging es weiter Richtung Picoy. Picoy ist bekannt für seine heißen Quellen – die Vorfreude war gross.

Zuerst mussten noch hinauf zu einem der höchsten Punkte der Peru Divide, dem Abra Rapaz auf 4.961 m. Da wieder sehr dunkle Wolken über unsere Köpfe aufzogen und die meisten Gewitter nachmittags aufkommen, waren die 1.500 hm Anstieg zum Pass gegen Ende mehr stressig als entspannt. Ab ca. 4.500 m wurde auch die Luft immer dünner, was unserem Ziel, den Pass möglichst schnell zu passieren, entgegen stand. Kati wechselte mit ihren letzten Kräften bei den letzten 100 hm zwischen fahren und schieben. Zwei Pick-Ups, die in die andere Richtung unterwegs waren, wünschten uns ein nettes und kurzes “Suerte Amigo”, nachdem wir sie fragten, wie lange es noch nach oben dauert.

Endlich oben angekommen, blieb leider wenig Zeit fürs Freuen, da wir relativ schnell den dunklen Wolken bergab entkommen wollten. Der Weg nach unten war wunderschön und fühlte sich trotz der Waschbrettstrassen wie im Flug an, obwohl diese wieder länger als gedacht, etwa ca. 2-3 Stunden dauerte.

Nach dem langen Tag war unsere Ankunft bei den thermalen Quellen von Picoy umso schöner, wo wir auch den Spanier Alberto wieder trafen, den wir in Oyón kennengelernt haben – er will von Bogota bis Ushuaia in 8 Monaten durchgehend mit dem Fahrrad fahren. Den Abend feierten wir gemeinsam; in dem Moment der größte Luxus. Anschließend blieben wir einen weiteren Tag bei den Baños thermales, bevor wir die Entscheidung trafen, mit dem Bus weiter nach Cusco zu düsen, um der südlichen Grenze Perus etwas schneller näher zu kommen. Am selben Abend kamen unsere Bikepacking-Amig@s aus Neuseeland und Kanada auch nach und wir hatten noch einen Abend gemeinsam bei den heissen Bädern.

Somit fuhren wir am nächsten Tag bergab Richtung Churin, um von dort einen Bus nach Lima zu nehmen.

Pausa en Oyón

14.09.2026 bis 16.09.2026 | United

In Oyón haben wir uns nach den Strapazen der letzten Tage erholt, Wäsche und Fahrräder gewaschen, die brüchigen Lippen von der trockenen Andenluft repariert und nette Gespräche mit Einheimischen geführt. Ansonsten Café getrunken und andere Bikepacker*innen aus Kanada, Neuseeland, Spanien, Irland und Argentinien (wieder) getroffen, darunter auch Felix.

Conexión Oyón

08.09.2026 bis 13.09.2026 | I schick mei Radl ham

Die Conexion Oyón ist eine Route, die Huaraz und Oyón über einen Gletscher (Pastouri), einsame Täler, Pässe und kleine Dörfer verbindet. Schwer beeindruckt von der Anpassungsfähigkeit von Mensch und Tier kamen wir 5 Tage, 300 km und ca. 5.000 hm später mit unseren Drahteseln in Oyón, einer kleinen Stadt auf ca. 3.600 m an.

Tag 1 von Huaraz bis Gletscher Pastoruri auf 5.020 m und kurze Wanderung zum Gletscher, Abfahrt am Rad gemeinsam mit Felix in Nebel und Schneeregen nach Huallanca. Felix hat bei der Abfahrt Probleme mit seinem Freilauf bekommen, weshalb er uns in Huallanca wieder verlassen hat und mit dem Bus zurück zur nächsten Radwerkstatt nach Huaraz gefahren ist.

Tag 2 von Huallanca bis Oscar’s Bauernhof/Finca (Camp 1 neben Scheune auf 4.200 m), gmiadlich & dann doch starker Regen in der Nacht

Tag 3 von Camp 1 über den Pass Cuncush auf 4.520 m bis Queropalca auf 3.850 m inklusive einem 7 Kilometer hike-a-bike Abschnitt, der uns die Nerven raubte, ‘i schick mei Radl ham’, ‘des is mei letzte Radlfahrt da’. Die dunklen Wolken über dem langen Plateau, durch das wir mussten, haben die Situation auch nicht gerade aufgelockert. Aber jemand hat unser Jammern gehört und uns Hilfe aus der Hundewelt geschickt. Unser lieber Perrito hat uns den restlichen Weg durch das Plateau begleitet und uns die besten Wege durch die Kuhweiden und tolle Landschaft gezeigt, und das nur für ein bisschen Krauli. Er hat uns dann nach dem Pass ins Tal hinunter auch noch 10 km begleitet, bis eine Huayhuash-Wandergruppe interessanter wurde. Die schöne Abfahrt hat wiedermal alle Anstrengung von zuvor vergessen lassen.

Tag 4 Von Queropalca bis Antacolpa auf 3.900 m über die Dörfer Santa Rosa und Paracsha. Ein schöner Abschnitt, doch die letzten 400 hm haben wir aufgrund aufkommender Regenwolken leider auch wieder in schnellerem Tempo machen müssen.

Tag 5 Ein kurzer Tag von Antacolpa bis Antacallanca auf 4.100 m, wo wir auch den Nachmittag mit den Kids, Hunden, Schafen, Schweinen und Pferden vom Dorf verbracht haben und unser Zelt im Gemeindehaus aufschlagen durften: die Regenzeit scheint leider schon etwas früher anzukommen, wohl auch aufgrund der Wetteranomalie el Niño.

Tag 6 von Antacallanca über das eindrucksvolle Minengebiet Raura und eine wunderschöne Gletscherlandschaft bis Oyón auf 3.600 m

Pausa en Huaraz

04.09.26 bis 07.09.26 | Relajate

4 Tage Pause in Huaraz waren zwingend notwendig, um Geist und Seele zu regenerieren und unsere eingezogenen Bankomatkarten wieder zu bekommen. Ein Stromausfall während unserer Behebung legte die Bankomaten lahm und ließ uns ein paar Tage ohne Bankomatkarten zurück, was uns aber keine großen Umstände machte. Im El Tambo Hostal hatten wir eine sehr schöne Zeit, da wir hier auch einige andere Radreisende kennenlernten.

Unten ein paar kleine Eindrücke aus Huaraz.

Circuito Huascarán

28.08.2026 bis 03.09.2026 | Wia fü Höhenmeter sans nu?

Der Circuito Huascarán (6.768 m) ist eine Umrundung des höchsten Berg Perus in der Cordillera Blanca. Die Umrundung umfasst ca. 230 km und 6.000 Höhenmeter.

Tag 1 von Yungay auf 2.458 m zu Camp 1 auf ca. 3.300 m

Tag 2 von Camp 1 zu Camp 2 auf ca. 4.000 m

Tag 3 von Camp 2 über unseren ersten Pass Portachuelo de Llanganuco auf 4.767 m nach Yanama auf 3.375 m

Tag 4 Yanama – Day off

Tag 5 von Yanama nach Chacas auf 3.360 m

Tag 6 von Chacas zu Camp 3 auf ca. 4.300 m

Tag 7 von Camp 3 über den zweiten Pass Punta Olimpica (Tunnel) auf 4.736 m nach Carhuaz auf ca. 2.600 m

Die Tour war sehr schön, aber auch sehr anstrengend mit 30-35 kg Fahrrad, „washboard“ Straßen, Hitze und Höhe. Zu den Highlights gehören (wiedermal) das Ceviche in Chacas, der >Partyvibe< in Yanama, die anderen Bikepacker aus Frankreich, Jamaica, Deutschland und Australien und die guten Soßen. 😎

Jetzt gönnen wir uns wieder ein paar Tage Pause in Huaraz.

zurück nach Carhuaz

La Cordillera Blanca
Abfahrt Punto Olimpica

Yanama

Yungay

26.08.2026 bis 28.08.2026 | Baila conmigo Gringo

Magenprobleme und Besichtigung einer verschütteten Stadt.

Yungay (Quechua für warmes Tal) hat eine traurige Geschichte zu erzählen. Die damals 19.000 Einwohner:innenstadt wurde 1970 durch ein Erdbeben und einen daraus resultierenden Bergsturz komplett verschüttet, wobei nur wenige Menschen überlebten. Das ehemalige Stadtgebiet wurde als Campo Santo (Friedhof, Heiligtum) erklärt und wird von den Einwohner:innen im neuen Yungay und Interessierten besucht. Im Campo Santo wurden wir von einer Familie zum Tanz aufgefordert. 🙂

Huaraz

18.08.26 bis 25.08.2026 | Hola Gringo

Huaraz is a klane Metropole der Anden mit Doggos, Motos & Pollos.

Gelegen auf 3.052 m haben wir uns hier auf die bevorstehende Umrundung des Huascaràn vorbereitet und akklimatisiert – sowie auch unsere Mägen stabilisiert. 😉

Mit den Collectivos sind wir zum Startpunkt der Wanderung zur Laguna Churup gekommen. Die Bewegung auf der Höhe war anfangs sehr herausfordernd. Die zusätzliche Anstrengung hat sich dennoch schnell gelegt; die Coca-Blätter von einem netten Mitwanderer haben dabei wahrscheinlich gut geholfen.

Unsere Unterkunft hat uns auch einen Netflix-Account auferlegt, die Abende waren damit entsprechend heimelig.

Lima

15.8.2026 bis 18.08.2026 | Yo soy diferente

Lima ist ein kulinarisches Juwel, angeblich. Ceviche hat uns überzeugt. Am meisten hängen geblieben sind allerdings die Gespräche mit Doris & Julian in Barranco, die am liebsten eine Finca am Land hätten. Oder Wilmer, der sich anders als die meisten Limeñ@s fühlt und neben seinem Kettenverkauf an der Promenade in Miraflores über Geschichte, Sprachen und was ihm in den Sinn kommt weiterbildet; dafür nutzt er YouTube. Eindrucksvoll ist die kaum endenwollende Größe der Stadt, die sich nach den Zentren vor allem aus (etablierten) informellen Siedlungen zusammensetzt.